Ergotherapeutische Störungsbilder

Na Logo, auch Ergo

Ergotherapie ist ein medizinisches Heilmittel und kann vom Haus-, Kinder- oder Facharzt verordnet werden.

Verordnet werden, können folgende Maßnahmen:

  • Motorisch-funktionelle Behandlung

  • Sensomotorisch-perzeptive Behandlung

  • Hirnleistungstraining / neuropsychologisch orientierte Behandlung

  • Psychisch-funktionelle Behandlung

Ergotherapie richtet sich an Menschen jeder Altersklasse.

Das Ziel dabei ist es Kindern und Erwachsenen, die durch Entwicklungsstörung, Krankheit, Behinderung oder Verletzung beeinträchtigt sind, zu größtmöglicher Selbständigkeit und Handlungsfähigkeit im Alltagsleben oder Beruf / Schule zu verhelfen.

Wann braucht mein KIND Ergotherapie?

Braucht Ihr Kind zum Anziehen sehr lange?

Fasst Ihr Kind den Stift so komisch an?

Kommt Ihr Kind immer nur mit der Hälfte der Schulsachen wieder nach Hause?

Es gestalten sich viele Alltagssituationen schwierig?

Traut sich Ihr Kind selbst wenig zu?

Dann ist Ihr Kind hier genau richtig!

Der ergotherapeutischen Behandlung geht eine differenzierte Befunderhebung voraus. Diese beinhaltet sowohl gezielte Beobachtungen, als auch anerkannte Assessments und Testverfahren. Aus den Ergebnissen werden mit Ihrem Kind individuelle und bedeutungsvolle Ziele vereinbart. Daraus entwickelt sich dann der Behandlungsplan.

Die Therapieinhalte orientieren sich immer an dem Alltag Ihres Kindes.

In der Ergotherapie leiten wir aber auch Sie dabei an, alle von uns empfohlenen Behandlungsmaßnahmen eigenständig mit Ihrem Kind zu Hause umzusetzen. In der Ergotherapie geben wir Ihnen die Anleitung und Hilfestellung für die schwierigen Situationen.

Ergotherapie wird bei Klein- und Schulkindern und Jugendlichen in folgenden Bereichen empfohlen:

  • Entwicklungsverzögerung

  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen

  • Gedächtnis und Merkfähigkeitsstörungen

  • Wahrnehmungsstörungen

  • Motorische Störung, Koordinationsstörungen

  • Schwierigkeiten bei der Händigkeitsentwicklung

  • Körperbehinderungen

  • Geistige und Lernbehinderungen

  • Interaktionsstörung, Beziehungsstörung

  • Defizite im Sozialverhalten

  • Autistische Verhaltensweisen

  • Depressionen

  • Ängste

  • Aggressionen

Wann brauchen ERWACHSENE Ergotherapie?

  • Neurologische Erkrankungen (z.B. Schlaganfall, MS, Parkinson)

  • Psychische Störungen (z.B. Depressionen, Erschöpfungszustände, Ängste)

  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwäche

  • Gedächtnis- und Merkfähigkeitsstörungen

  • Orthopädische Erkrankungen (z.B. Rheuma)

Das Ziel der Therapie ist es, individuelle Handlungskompetenzen im täglichen Leben zu entwickeln, wieder zerlangen oder zu erhalten.


Myofunktionelle Störungen

auch Artikulations- oder phonetische Störung genannt 

Diese Art von Störung tritt hauptsächlich bei den Lauten „s“ (Sigamtismus=Lispeln) oder bei dem „sch“ auf. Im Unterschied zur phonologischen Verzögerung sind die betroffenen Laute fehlerhaft gebildet, wobei der Ziellaut jedoch weiterhin erkennbar ist.


Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)

Diese Art der Störung tritt auf, wenn zentrale Prozesse des Hörens gestört sind, dh die eintreffenden auditiven Stimuli gelangen zwar in die Hörzentren im Gehirn, werden dort aber nicht korrekt verarbeitet. Im Gegensatz zu einer peripheren Hörstörung, wo der Schall gar nicht bin zum Hörzentrum gelangt, weil der Weg dorthin „vesperrt“ ist, z.B. durch verengte Gehörgänge. Die Teilfunktionen der Zentral-Auditiven Wahrnehmung sind im Folgenden aufgelistet:

  • Aufmerksamkeit, d.h. die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf einen auditiven Stimuli lenken zu können
  • Speicherung und Sequenz, d.h. die Fähigkeit, auditive Stimuli kurzfristig korrekt abzuspeichern; wenn die richtige Reihenfolge dazu kommt ist es eine Leistung der Sequenz
  • Lokalisation ist die Fähigkeit, die Richtung und Entfernung auditiver Stimuli festzustellen, z.B. zu erkennen, aus welcher Richtung das Auto kommt
  • Diskrimination, besonders wichtig für die Sprachlaute, ist wichtig, um Ähnlichkeiten und Unterschiede derer zu erkennen
  • Selektion bezeichnet die Fähigkeit, wichtige Informationen von unwichtigen zu trennen, d.h. bei einem Störgeräusch, z.b. dem Klassenlärm noch die wichtigem Informationen mitzubekommen. Kinder mit einer Störung in diesem Teilbereich sind nicht in der Lage, wichtige Infos zu selektieren.
  • Analyse, bzw Identifikation bezeichnet die Fähigkeit, einzelne auditive Stimuli aus etwas komplexeren rauszuhören, d.h. Einzellaute aus Silben raushören, Silben aus Wörtern
  • Synthese meint das Zusammenziehen von mehreren Einzellauten zu einem Wort
  • Ergänzung meint die Fähigkeit, aus einem unvollständigen akustischen Gebilde sinnvolle Gebilde zu machen, d.h. Laute in ein unvollständiges Wort einzusetzen, bzw. unvollständige Sätze mit Wörtern zu ergänzen

Analyse, Synthese und Ergänzung zählen zu den sehr komplexen Teilfunktionen und sind sehr wichtig für den Leselernprozess. Die Betreuung von Kindern und Erwachsenen, die mit einem Cochlear Implant (CI) versorgt sind, gehört auch in diesen Bereich.


Stottern

(Kindliches) Stottern ist eine Störung des Sprechablaufes mit unbekannter Ursache! Beim Stottern handelt es sich um eine Störung, die überwiegend in den ersten Lebensjahren auftritt. 5% aller Kinder beginnen während der Sprachentwicklung zu stottern. 3% aller gesprochenen Silben weisen stottertypische Symptome auf. Durch den großen Anteil der Remissionen (Rückbildung) liegt in der erwachsenen Bevölkerung der Anteil bei 1%. Symptome des Stotterns sind Dehnungen, Blockierungen und Wiederholungen von Lauten, Silben oder einsilbigen Wörtern. Das typische Alter für den beginn des Stotterns ist das 3.-6. Lebensjahr. Nach dem 12. Lebensjahr ist fast kein Beginn des Stotterns mehr zu erwarten. Der Stotternde weiß genau, was er sagen möchte, aber er ist in diesem Moment nicht in der Lage, dieses eine Wort flüssig zu sprechen, obwohl er problemlos ein anderes Wort sprechen oder dieses Wort zu einem anderen Zeitpunkt sagen könnte.


Dysphagie

Als Dysphagie oder Schluckstörung wird das abklärungsbedürftige Problem bezeichnet, vorgekaute Nahrung mittels der am Schluckakt beteiligten Strukturen in den Magen zu transportieren. Schluckstörungen haben erhebliche Beeinträchtigungen des körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens zur Folge.

Symptome

Druckgefühl oder Schmerzen im Hals, hinter dem Brustbein oder im Oberbauch; Globussyndrom; Würgen während des Schluckakts; Husten während der Mahlzeit bei aufgrund der Aspiration, d. h. des Übertritts von Nahrung in die Luftröhre; im Alter "Sabbern"

Häufigkeit

45 Prozent der älteren Leute über 75 Jahre leiden an Schluckbeschwerden, wobei sich neurologische, psychiatrische und allgemeine chronische Erkrankungen aufgrund der im Alter oftmals bestehenden Multimorbidität in der Regel gegenseitig negativ beeinflussen.

Ursachen

Es gibt vielfältige Gründe für eine Schluckstörung. Prinzipiell kann man sagen, dass eine psychische Ursache um so eher angenommen werden kann, je jünger der Patient ist und je wechselnder die Beschwerden sind. Zwar kann schon das Auftreten des Patienten Hinweise auf eine psychische Genese der Probleme geben, prinzipiell ist jedoch jede Schluckstörung sorgfältig abzuklären.

Körperliche Ursachen

Verletzungen und Tumore der Mundhöhle, des Rachens und der Speiseröhre, weiters

  • Mundhöhle und Rachen
    • Exsikkose mit Austrocknung der Mundschleimhäute.
    • Entzündungen, siehe Infektionen der Mundhöhle und des Zahnhalteapparates
    • Tonsillitis oder Pharingitis
    • Abszesse wie Retrotonsillarabszess
  • Zungen- und Mundbodenmuskulatur
    • Fehlfunktionen bei zahnärztliche oder kieferorthopädische Problemen: Fehlbiss, schlecht sitzende Zahnprothesen und Infektionen mit den dabei möglichen, die Muskeln betreffenden funktionellen Störungen.
    • Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall oder neurodegenerative Erkrankungen (Multiple Sklerose, Morbus Parkinson u.a.)
  • Speiseröhre
    • Achalasie
    • Ösophagusdivertikel
    • Ösophagitis
    • Ösophaguskarzinom
    • Ösophagusstenose

Psychische Ursachen

Ein ungestörter Schluckvorgang dient nicht nur der lebenserhaltenden Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme, sondern ist auch für die Vermittlung von Genuss und Wohlbefinden unerlässlich. Somit kann eine Störung des Schluckakt selbst auf Störungen der psychischen Befindlichkeit hinweisen - nachdem körperliche Ursachen ausgeschlossen wurden. Dass der Patient meint, "nicht alles schlucken" - das mag heißen: sich nicht alles gefallen lassen - zu können, zwingt somit zur Abklärung der weiteren Lebensumstände.


Stimmstörungen

Es gibt die hyper- oder hypofunktionelle Dysphonie. Die hyperfunktionelle Dysphnonie beschreibt ein zuviel an Spannung, die Hypofunktionelle Dysphonie beschreibt ein zu wenig an Spannung im Kehlkopfbereich. Wenn diese beiden Stimmstörungen auftreten liegt meist keine organische Ursache vor. Häufig sind diese beiden Möglichkeiten auch miteinander kombiniert, so werden Menschen ein zu wenig an Spannung gelegentlich mit einem zu viel zu kompensieren versuchen- beides ist nicht gut. Häufig treten Stimmstörungen auch nach Operationen, besonders nach Schilddrüsenentfernungen, (Strumektomie) auf. Hier kann es dann zu einer falschen Stellung einer oder auch beider Stimmlippen kommen, die dann, je nach Stellung, zu einer verhauchten oder zu einer heiseren Stimme führen können. Menschen in Berufen mit einer starken stimmlichen Belastung haben oft eine Dysphonie. Die Ziele in einer Stimmtherapie sind eine Normalisierung der Sprechstimmlage, das bewusste und korrekte Atmen in den Bauchraum (Abdomianlatmung), bzw in den Brust- Bauchraum (Costoabdomianlatmung), das Training der Stimmlippen durch gezielte Übungen und ganz besonders auch Ganzkörperübungen, da Stimmstörungen meist etwas mit der allgemeinen Stimmung bzw Spannung zu tun haben- so kann es zB sehr sinnvoll sein, bei einer hyperfunktionellen Stimmstörung Entspannungsübungen durchzuführen, bei einer hypofunktionellen Stimmstörung kann es im Gegensatz dazu sehr sinnvoll sein, Ganzkörperübungen anzubieten, die Spannung erzeugen.. Das Betrachten der gesamten Persönlichkeit stellt also einen sehr wichtigen Pfeiler in der Stimmtherapie dar.

Kindliche Stimmstörungen

Dieser Bereich ist ein kleiner, aber dennoch auftretender Bereich in der Logopädie. Die kindlichen Stimmstörungen werden ähnlich behandelt wie die Dysphonien bei den Erwachsenen, jedoch selbstverständlich in kindgerechter Form.


Late Talker

Als „Late Talker“ bezeichnet man Kinder, die mit 2 Jahren einen Wortschatz von unter 50 Wörter haben. Die Therapie hier ist unbedingt notwendig, da es bei einem Nicht- Behandeln zu ausgeprägten Sprachentwicklungsverzögerungen kommen kann! Die Aussage vieler Ärzte „Das wird sich noch verwachsen“ ist hier leider völlig unangebracht.


Geistige und/oder körperliche Behinderungen jeglicher Art

AutismusCerebralparesen, dh eine Unterversorgung von Sauerstoff vor, während oder nach der Geburt, Kinder und Erwachsene mit Trisomie 21, Klienten, die im Wachkoma liegen -> bei all diesen handicaps findet die tiergestützte Therapie die größte Anwendung, Behinderungen aufgrund von Verkehrsunfällen.


(S)elektiver Mutismus

Der (s)elektive Mutismus ist eine nach vollzogenem Spracherwerb erfolgende Hemmung der Lautsprache gegenüber einem bestimmten Personenkreis. Die Hör- und Sprechfähigkeit ist erhalten, d.h. es liegen keine peripher-impressiven oder peripher-expressiven organischen Störungen vor sowie keine zentralen Schädigungen der am Sprechvorgang beteiligten Sprachzentren und der Innervation.
Mehr dazu unter www.boris-hartmann.de.